Meinungsforum
Ernst Ulrich von Weizsäcker: Energieangebotspolitik war gestern
Die alte Energiediskussion drehte sich um die Bereitstellung von immer mehr Energie zu möglichst billigem Preis. Das muss ein Ende haben, wenn wir naturverträglich und wettbewerbsfähig werden und bleiben wollen.
Energiepolitik war von Alters her das Auffinden und Nutzen von Energie. Früher war das Holz und Wasserkraft, später Kohle und Atom und seit einigen Jahren auch Wind- und Solarenergie. Die Politik wollte Energie immer so billig wie möglich verfügbar machen. Am krassesten Lenin, der Energie am liebsten verschenken wollte, um die Schwerindustrie aufzubauen und die Menschen glücklich zu machen.
Klima und Radioaktivität machen den alten Weg hoch gefährlich. Im 21. Jahrhundert muss die ganze Welt lernen, aus den Kilowattstunden fünfmal, ja zehnmal so viel Wohlstand herauszuholen. Technisch ist das möglich, aber unter den Bedingungen billiger Energie wird es nicht stattfinden. Die Amortisationszeiten sind für radikale Effizienz viel zu lang.
Die Faktor Fünf Revolution kann uns viel reicher machen und zugleich das Klima schonen. Der politisch beste Weg dorthin geht über die Preise. 150 Jahre lang ist die Arbeitsproduktivität ständig im Gleichschritt mit den (Brutto-) Löhnen gestiegen. Beides hat sich etwa verzwanzigfacht. Analog sollte man Energie in kleinen Schritten, parallel mit dem Fortschritt der Energieproduktivität teurer machen. Was man monatlich für Energie ausgibt wird im Durchschnitt nicht mehr! Und dennoch kann und soll man soziale Rabatte akzeptieren: Energie für's Lebensnotwendige zum Vorzugspreis.
Österreich, Deutschland, Europa können sich an die Spitze des technischen Fortschritts katapultieren und dabei immer wettbewerbsfähiger und reicher werden, wenn sie diesen strategischen Pfad verfolgen. Passivhäuser, Effizienzautos, gute Bahn- und Bus-Verbindungen und energieeffiziente Industrie werden florieren, Energievergeuder werden ausgemustert.
Zur Person:
Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker ist Naturwissenschaftler und SPD-Politiker. Sein neues Buch "Faktor Fünf" (Droemer Knaur, München 2010) zeigt, wie die Effizienzrevolution technisch und politisch funktioniert.Teilen und verbreiten
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Fachmedien sind voll davon. Massenmedien beginnen allmählich Interesse zu fassen. Die Elektrifizierung des Individualverkehrs wir vom lauwarmen Thema schon bald zur heißen Nummer. Was fehlt, ist die Verknüpfung der E-Mobilität mit dem Themen Solarstrom und Wasserkraft; auch mit politischen Mitteln.
Hier wurde ein ganz wichtiger Punkt vergessen.
Wohlstand bedarf Energie und ein erhöhter Energiekonsum bewirkt noch immer höheren Wohlstand. Speziell für ärmere Privathaushalte gilt oft, dass zuwenig Energie zur Verfügung gestellt wird. Eine höhere Engerie Anschlussleistung wird unter dem Vorwand einer sozialen Bedürftigkeit, der Kosten und dem allgemeinen Vorhaben Energie einzusparen gerade auf dem Rücken jener ausgetragen, die unbedingt mehr Energie verbrauchen sollten und sich das auch leisten können sollten.
Ich kann hier nur zustimmen und möchte Folgendes einbringen:
Es ist wirklich beschämend, wie wenig hier in den letzten Jahren (Jahrzehnten) in diesem Bereich für Forschung und Entwicklung investiert wurde. Angefangen bei Schulen und Univärsitäten, bis hin zu Kooperationen mit Unternehmen. Dies führt dazu, dass wir in größter Gefahr sind, den technologischen Anschluß zu verlieren. Eine vertane Chance, hochqualifizierte Arbeitsplätze zu bekommen. Wollen wir dies wirklich anderen Ländern überlassen? Niemand wird bestreiten, dass Österreich nicht die Voraussetzungen dafür hätte.
Auch die Förderungen für Fotovoltaikanlagen bei Privatanlagen sind ein Witz! Alle Jahre sind die Töpfe in wenigen Tagen leer. Leider werden gerade hier sehr wenige bis keine regionalen Arbeitsplätze geschaffen!
Ich meine, allein durch die Förderung regionaler Infrastruktur in modernen und effizienten Technologien, entsteht sehr viel freies Potential für die Industrie.
Ich bin für Energie zum billigen Preis - die Sonne steht bereit! Warum kann nicht Photovoltaik so effizient gefördert werden, dass auch der Normalverbraucher (sprich Häuslbesitzer oder Wohnungsmieter) durch Selbsterzeugung profitieren kann. Ich glaube, wenn Förderungsmittel umgeschichtet werden, kann der private aber auch der (halb)öffentliche Bereich eine Menge Strom erzeugen. Wenn nur ein Bruchteil von Spitzengehältern, Provisionen, etc. aus der Stromwirtschaft umgewidmet würden und eine ohnehin nur ca. € 20.000 teure Photovoltaikanlage zur Hälfte gefördert würde, wäre das ein Riesensprung!
Solange das Energiesparen nicht modern ist, wird uns die Steigerung der Energieeffizienz nur an Prospekten und Vorankündigungen vorgegaukelt. Das Energieeffizienteste Auto wurde von Franz Vranitky gefordert und von VW gebaut. Leider haben die verantwortlichen Politiker das Auto nicht gekauft und damit saloonfähig gemacht. Ich fahre seit 7 Jahern ein 3 Literauto und bin immer noch hellauf begeistert. Absolut alltagstauglich 32 Lieter auf 1000 km. Es ist leider das einzige Auto das vom Markt genommen wurde ohne einen weiterentwickelten Nachfolger zu präsentieren. Solange sich nimand schämen muß, mit einer Dreckschleuder zu fahren, die zwei Parkplätze braucht, solange wird sich nichts ändern.
Fortsetzung:
Warum stellen die Betriebe trotzdem nur vereinzelt (oder Gemeinden - zB Straßenbeleuchtung) auf energieeffiziente Leuchtmittel um?
- es fehlt noch das Vertrauen in die Technologie (EU-Energiesparlampendesaster!)
- aber vorwiegend ist die Energie zu billig (Kostenanteil
Fortsetzung:
Warum stellen die Betriebe trotzdem nur vereinzelt (oder Gemeinden - zB Straßenbeleuchtung) auf energieeffiziente Leuchtmittel um?
- es fehlt noch das Vertrauen in die Technologie (EU-Energiesparlampendesaster!)
- aber vorwiegend ist die Energie zu billig (Kostenanteil
Lieber Ernst Ranftl, Dr. Weizsäcker sagt doch gar nicht das ALLE Menschen mit höheren Preisen leben müssen.
Warum kann nicht mal jemand ein (Öko-) Steuersystem skizzieren, anhand dessen man erkennen kann in welche Richtung es gehen wird. Dann sollte es diese (Existenz-) Ängste nicht mehr geben. Zusätzlichen werden Investitionen kalkulierbar.
Ein kleines Beispiel:
Welche Beleuchtungskosten hat ein Supermarkt (800m²) am Tag? Je nach Leuchtmitteltechnologie: 7-40 Euro.
1. Was ist das für ein Betrag im Verhältnis zu dem was über den Ladentisch geht? Der Energiekostenanteil von Betrieben ist minimal (häufig Euro 25,-, Eine Umstellung auf LED rechnet sich so gut wie immer innerhalb von fünf bis zehn Jahren. Somit müsste die Investition nicht auf das Produkt aufgeschlagen werden.
3. Auch die Kühlkosten werden deutlich reduziert!
Also, nur Vorteile - eine klassische WIN-WIN Situation!
Warum stellen die Betriebe trotzdem nur vereinzelt (oder Gemeinden - zB Straßenbeleuchtung) auf energieeffiziente Leuchtmittel um?
- es fehlt noch das Vertrauen in die Technologie (EU-Energiesparlampendesaster!)
- aber vorwiegend ist die Energie zu billig (Kostenanteil
Ich bin geneigt diesen Text als illusionistisch einzustufen.
Nur Zauberer machen Glauben, dass sich alle Menschen höhere Energiepreise leisten können und dazu, oder besser gesagt, im Gegenzug, gleichzeitig, ausreichend in effiziente Produkte investieren können.