Meinungsforum
Michael Förschner | Green Jobs: Mythos und Wirklichkeit
Aussagen über die tatsächliche Zahl an Green Jobs sind ebenso widersprüchlich wie die Erwartungen betreffend ihrer Qualität.
Es gibt offizielle Zahlen über EU-weit 2,3 Mio. Beschäftigte in Green Jobs in den zentralen Sektoren, und ebenso offizielle über 21 Mio. bei Anwendung einer weiteren Definition. Und auch beinahe jede Größe dazwischen, je nachdem welche Branchen beziehungsweise Teilbereich man dazurechnet. Das Ganze wird noch schwieriger einzuschätzen, wenn man die Qualifikationserfordernisse mit einbezieht. Gibt es überhaupt einen signifikanten Unterschied zwischen Green Jobs zu traditionellen oder ist der eher graduell? Und sind es nicht vielmehr die gleichen Personen mit zumeist nur geringfügigen neuen Qualifikationen, die an beziehungsweise mit anderen Produkten arbeiten?
Zweifellos gibt es beides: Es gibt neue Arbeitsplätze mit deutlich anderen Qualifikationsanforderungen und entsprechenden Karriere- und Einkommensmöglichkeiten – für wenige; etwa Ingeneure und Techniker in der Produktion neuer Energieträger. Und es gibt auf der anderen Seite ganz viele Menschen, die zwar in der Produktion oder auch im Dienstleistungsbereich mit Produkten arbeiten, die für unsere Umwelt von hoher Bedeutung sind, aber die dafür im wesentlichen ihr bisheriges Wissen verwenden und dadurch keine besseren oder besser bezahlte Arbeitsplätze haben. Sie sind allerdings mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sicherer, da die Umweltbranchen generell höhere Wachstumsraten aufweisen als andere; und dies zeigte sich gerade auch während der Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre. Österreich hat hier zweifellos in einigen Bereichen eine gute Position inne.
In den nächsten Jahren wird bei vielen Arbeitsplätzen ein zumindest gradueller Wandel der Kenntnisse erforderlich sein, und damit entsprechende Qualifikationen und Weiterbildungen für die Menschen, die dort arbeiten. Das bedeutet jedoch in der überwiegenden Zahl der Fälle keine grundlegend anderen Ausbildungen, sondern Zusatzqualifikationen, wenn etwa Installateure mehr Wärmepumpen oder Elektriker mehr Photovoltaik-Anlagen montieren und warten werden. Bei manchen wird dies einen größeren Anteil der Arbeit einnehmen, bei anderen weniger. Die OECD bezeichnet diese Entwicklung als „Shades of Green“ (etwa: Grün-Schattierungen von Arbeitsplätzen). Nochmals zurück zum Spektrum der Green Jobs. Wie stark diese Entwicklung tatsächlich ausfallen wird, hängt zu einem entscheidenden Teil von uns ab: wie wichtig ist uns die Umwelt wenn wir einkaufen, ein Haus bauen/renovieren, Müll produzieren, den Strom einschalten und in unser Auto einsteigen? Von unserem Verhalten wird entscheidend bestimmt, wie groß die Zahl der Arbeitsplätze in der Green Economy sein wird.
Zur Person:
Mag. Michael Förschner ist Project Manager am Zentrum für Soziale Innovation (ZSI).Teilen und verbreiten
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